Fasten begleitet mich inzwischen seit über 20 Jahren.
Und trotzdem ist keine Fastenzeit genau wie die andere. Es gab Jahre, in denen es mir unglaublich leichtgefallen ist. Und es gab Fastentage, an denen ich dachte: Warum mache ich das eigentlich gerade? Auch das gehört für mich dazu.
Was sich aber über all die Jahre nicht verändert hat: Ich genieße diese Zeit.
Vielleicht gerade deshalb, weil ich weiß: Ich darf fasten. Ich muss nicht.
Fasten ist nicht Hungern
Das ist für mich ein ganz wichtiger Unterschied. Unsere Vorfahren hatten nicht jederzeit Zugang zu Essen. Es gab Zeiten, in denen schlicht nichts verfügbar war. Sie mussten mit Phasen ohne Nahrung umgehen.
Wir leben heute in einer vollkommen anderen Situation. Essen ist nahezu jederzeit verfügbar. Kühlschrank, Supermarkt, Bäckerei, Lieferdienst – wenn wir möchten, können wir innerhalb kürzester Zeit etwas essen.
Wenn ich faste, treffe ich deshalb ganz bewusst diese Entscheidung. Und gleichzeitig weiß ich: Ich könnte das Fasten jederzeit beenden. Allein dieser Gedanke verändert für mich unglaublich viel. Ich muss nichts aushalten. Ich muss niemandem etwas beweisen. Und es geht auch nicht darum, möglichst lange durchzuhalten.
Ich entscheide mich für eine begrenzte Zeit ganz bewusst für eine Pause.
Einfach einmal Pause drücken
Wir sind es gewohnt, unserem Körper ständig etwas zu geben. Noch ein Supplement. Noch ein Superfood. Noch ein Pulver. Noch eine neue Routine. Beim Fasten fasziniert mich genau das Gegenteil.
Ich muss nichts zusätzlich hinzufügen. Ich darf einfach einmal Pause drücken.
Auch meine Verdauung bekommt in dieser Zeit weniger zu tun. Wie sehr unser Körper nach einer großen oder sehr späten Mahlzeit noch beschäftigt sein kann, kennen wahrscheinlich viele: Man geht eigentlich müde ins Bett, hat aber zu viel gegessen, fühlt sich schwer und schläft vielleicht unruhiger als sonst.
Genau deshalb gefällt mir der Gedanke, meiner Verdauung zeitweise bewusst weniger Arbeit zu geben. Nicht als Strafe für vorheriges Essen. Sondern als selbst gewählte Auszeit.
Meine zwei liebsten Zeiten zum Fasten
Es gibt zwei Zeiträume im Jahr, die für mich schon fast zu kleinen Ritualen geworden sind.
Der erste Zeitraum ist für mich im Herbst – meist im Oktober oder spätestens im November.
Nach dem Sommer, Urlauben, spontanen Essen außer Haus und weniger festen Routinen merke ich oft, dass ich wieder mehr Struktur in meinen Alltag bringen möchte. Nicht, weil der Sommer „zu viel“ war oder etwas ausgeglichen werden müsste.
Sondern weil sich diese Zeit für mich gut eignet, einmal bewusst innezuhalten und wieder genauer hinzuschauen:
Wie esse ich gerade eigentlich? Welche Routinen tun mir gut? Was möchte ich wieder regelmäßiger in meinen Alltag holen?
Meine Fastenzeit ist für mich dann wie ein bewusster Übergang. Ein paar Tage, in denen ich den Autopiloten unterbreche, ruhiger werde und mich neu ausrichte.
Danach starte ich wieder bewusster in meine Ernährung und meine Routinen – und genau das mag ich an diesem Zeitpunkt im Jahr so sehr und bereite mich dann auf die Weihnachtszeit vor.
Der zweite Zeitpunkt ist zu Beginn eines neuen Jahres.
Nicht nach dem Motto: Weihnachten war zu viel und jetzt muss alles wieder weg. Für mich ist es eher eine Art, das neue Jahr zu zelebrieren.
Ein paar Tage, in denen ich bewusst auf mich schaue und mich frage: Was möchte ich mitnehmen? Was darf vielleicht weniger werden? Welche Routinen tun mir gut?
Ich mag diesen Gedanken sehr. Nicht: neues Jahr, neuer Mensch.
Sondern: neues Jahr, einmal bewusst hinschauen.
Und nein – bei mir läuft auch nicht jeder Fastentag wunderbar
Man könnte jetzt natürlich denken, nach über 20 Jahren Fastenerfahrung gehe ich vollkommen entspannt durch jede Fastenwoche. Schön wär's. 😉
Ich kenne auch schwierige Tage. Ich kenne Momente, in denen ich keine Lust mehr habe. Und ich kenne meine ganz persönliche Fastenkrise. Bei mir ist das häufig ungefähr der dritte Tag.
Dann weiß ich inzwischen schon: Okay Angelina, wir kennen das. Das gehört bei dir manchmal einfach dazu.
Ich versuche solche Tage nicht mehr zu bewerten. Eine Fastenzeit muss sich nicht jeden Tag leicht, spirituell oder unglaublich erfüllend anfühlen, damit sie für mich wertvoll ist.
Und ja: Natürlich freue auch ich mich irgendwann wieder aufs Essen.
Sehr sogar.
Und dann kommt dieser Apfel …
Wer schon einmal klassisch gefastet hat, kennt wahrscheinlich diesen Moment: das Fastenbrechen.
Und häufig wartet dort der berühmte Apfel.
Ich sage euch: So einen guten Apfel habe ich vorher noch nie gegessen. Zumindest denke ich das jedes Mal wieder. 😉 Plötzlich riecht man ihn anders. Man kaut bewusster. Man nimmt die Süße wahr. Die Konsistenz. Den Geschmack. Eigentlich etwas vollkommen Alltägliches.
Und plötzlich bekommt genau dieses einfache Lebensmittel eine ganz andere Aufmerksamkeit. Dieser Moment erinnert mich jedes Mal wieder daran, warum für mich zum Fasten eben nicht nur das Weglassen gehört.
Das bewusste Zurückkehren zum Essen ist mindestens genauso wichtig.
Fastenbrechen, Aufbau und danach wieder einen genussvollen Alltag finden – all das gehört für mich zusammen.
Irgendwann habe ich angefangen, nicht mehr nur für mich zu fasten
In den vergangenen drei Jahren habe ich während meiner eigenen Fastenzeiten immer wieder andere Menschen mitgenommen. Menschen, die noch nie gefastet hatten. Manche hatten Angst vor dem Hunger. Andere wussten überhaupt nicht, wo sie anfangen sollten.
Was darf ich trinken? Wie bereite ich mich vor? Was passiert an welchem Tag? Und vor allem: Was mache ich danach?
Und dann gab es auch Menschen, die grundsätzlich schon wussten, wie Fasten funktioniert – aber einfach nicht alleine fasten wollten. So entstanden meine kleinen WhatsApp-Gruppen. Wir haben uns ausgetauscht, Erfahrungen geteilt, Fragen geklärt und uns gegenseitig durch die einzelnen Tage begleitet.
Und ich habe gemerkt, wie viel Unterschied es machen kann, wenn man nicht allein vor all diesen Fragen steht.
Warum mir meine Ausbildung trotzdem wichtig war
Ich faste seit über zwei Jahrzehnten und habe bereits Menschen dabei begleitet.
Trotzdem war mir eines wichtig:
Persönliche Erfahrung allein reicht mir nicht.
Wenn ich Menschen professionell begleite, möchte ich auch fachlich fundiert arbeiten. Ich möchte wissen, was im Körper passiert, worauf geachtet werden sollte, wo Grenzen liegen und für wen Fasten möglicherweise nicht die richtige Methode ist oder vorher ärztlich abgeklärt werden sollte.
Genau deshalb war mir meine Ausbildung zur Fastenleiterin so wichtig. Meine eigene Erfahrung bleibt dabei ein großer Teil meiner Arbeit. Aber heute kann ich sie mit fundiertem Wissen verbinden.
Und genau daraus ist auch Fasten & Glow entstanden.
Eine begleitete Fastenzeit, bei der es für mich nicht darum geht, einige Tage einfach nichts zu essen.
Sondern um die gesamte Reise:
Vorbereiten. Fasten. Fastenbrechen. Aufbauen. Und anschließend wieder bewusst in den eigenen Alltag zurückfinden.
Muss man dafür direkt eine ganze Woche fasten?
Nein.
Auch beim Fasten gilt für mich eines meiner liebsten Mottos:
Schritt für Schritt.
Wenn du noch nie gefastet hast und dir fünf Fastentage gerade riesig vorkommen, dann darf dein erster Schritt auch kleiner sein. Vielleicht möchtest du zunächst einmal drei Tage ausprobieren. Beobachten, wie es dir damit geht. Erfahrungen sammeln.
Und danach entscheiden, ob du irgendwann länger fasten möchtest.
Fasten ist kein Wettbewerb. Es gibt keinen Preis dafür, besonders lange durchzuhalten. Für mich liegt der Wert vielmehr darin, eine Zeit ganz bewusst zu wählen und auch genauso bewusst wieder daraus zurückzukehren.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich nach all den Jahren immer noch so gerne faste:
Nicht weil ich muss. Sondern weil ich mich immer wieder ganz bewusst dafür entscheiden darf.
Wenn du mehr Erfahren möchtest, dann findest du hier mehr davon - hier KLICKEN.
Ich wünsche dir alles Gute! Deine Angelina